Die Verlagsbranche ist die einzige Branche, deren ausschließliches Businessmodell darin besteht, Informationen und Texte aller Art in unterschiedlichster Form zu verkaufen. Dieser Sachverhalt verführt dazu, dass bei der Produktion weniger die Effizienz des eigentlichen Produktionsvorgangs im Fokus steht als seine (pekuniäre) Rentabilität. Jedoch auch die Verkürzung der Redaktions- und insbesondere der Produktionsprozesse hat ihren Wert im Markt und kann – in einer sich immer mehr elektronifizierenden Informationswelt – den Ausschlag geben für die längerfristige Existenz. Auch wenn heute noch der Wert des „Time to Market“ nicht allzu hoch eingeschätzt wird, in einer fortgeschrittenen Informationsgesellschaft wird er steigen.
Anregungen für eine hoch effiziente Informationserstellung und -produktion gibt es heute schon in der Technischen Dokumentation. Die Technische Dokumentation ist keine eigene Branche, sondern integrativer Bestandteil eines jeden Unternehmens, das technische Produkte herstellt. Sämtliche Informationen und Texte für ein bestimmtes Produkt werden hier erstellt und produziert: vom Technischen Report, der in aller Tiefe die technischen Details beschreibt, über den Management Report mit Produktbeschreibung und Kurzfassung der technischen Details, dem Textauszug für die Website bis hin zur Bedienungsanleitung für Endkunden usw. Alle diese Textarten müssen zum Zeitpunkt der Auslieferung des eigentlichen Produkts fertig gestellt und produziert sein: in gedruckter sowie in elektronischer Form gleichermaßen – einschließlich der Übersetzung in zehn, zwanzig oder mehr Sprachen, je nachdem wohin das Produkt eben verkauft wird.
Hier ist „Time to Market“ eine wirtschaftliche Größe, von der das Überleben des Unternehmens abhängen kann. Deshalb gab es in der Technischen Dokumentation bereits früh Bestrebungen, Erstellungs- und Produktionsprozesse zu formalisieren und Sicherheitsstandards für die Qualitätssicherung einzuführen. Die Palette von Maßnahmen reicht vom konsequenten Single-Source-Publishing über standardisierte Metadaten und Textbausteinsysteme bis hin zu radikal reduzierten Wortschätzen („simplified english“), um die Gefahr von Falschinterpretationen der Anleitungen zu minimieren. Man bedenke, was eine falsch verstandene Reparaturanleitung in der Luftfahrt oder beim Autofahren alles anrichten kann.
So weit geht natürlich die Verantwortung der Verlage für Ihre
Publikationen nicht. Aber es gibt Fachpublikationen, von denen weitere
Entscheidungen abhängen oder über deren Erfolg das zeitnahe Erscheinen
entscheidet. Insofern kann es Vorteile bringen, über den Tellerrand zu
sehen und offenen Auges aufzunehmen, welche Abläufe in anderen Branchen
für unternehmenskritische Informationsbestände vorhanden sind.
Ursula Welsch, welschmedien.de




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