Für viele Unternehmen, die professionell eMail-Marketing betreiben, stellt sich die Spam-Flut als echtes Problem dar:
- Mit dem Image des Mediums steht es nicht zum besten
- Viele eMails werden von den Empfängern „aus Versehen“ gelöscht
- Viele eMails kommen erst gar nicht durch, weil die Provider „des Guten zuviel“ tun und auch eigentlich gewünschte eMailings als „scheinbaren“ Spam blocken.
Diese „False Positives“ nehmen rapide zu – es kursieren Schätzungen zwischen 10 und 20 Prozent aller verschickten erwünschten eMailings.
Große eMail-Versender haben sich bislang mit den wichtigsten Providern abgesprochen, um umfangreiche Versände anzukündigen und False Positives so gut es geht zu vermeiden.
Das soll künftig koordiniert werden: der ECO-Verband und der BVDW haben sich zusammen mit den Providern an einen Tisch gesetzt und eine Zertifizierung erarbeitet. Im Kern enthält sie folgendes: Anbieter von eMail-Marketing, die gewisse Standards erfüllen (die üblichen rechtlichen Regelungen + einige darüber hinaus gehende) kommen auf eine zentrale Whitelist, die nicht nur von den angeschlossenen Providern anerkannt wird, sondern auch von Herstellern von Anti-Spam-Software mit in deren Software integriert werden kann.
Kosten entstehen auch: einmalig zwischen 600 und 2000 Euro sowie monatlich ebenfalls mehrere 100 Euro.
Ergebnis:
* Für do-it-yourself-Versender von kleinen und mittleren eMail-Volumina lohnt sich die Teilnahme nicht – es ist sinnvoller, sie versenden künftig über einen Dienstleister (ein Schelm, wer böses dabei denkt: der Hauptinitiator der gesamten Sache ist Martin Aschoff, Vorstand der Agnitas AG, einem der größten eMail-Versender Deutschlands).
* Wenn alle wesentlichen Provider mitmachen dürften die Anzahl der False Positives gewaltig zurückgehen.
* Das bedeutet aber auch: die Provider werden nun (da „die Guten“ ja durchkommen) ihre Spam-Filter härter einstellen – mit etwas Glück hilft diese Initiative also auch, das durchkommende Spam-Aufkommen zu vermindern.
* eMail-Versender, die einmal auf der Whitelist sind, werden sich intensiv bemühen, dass die verschickten eMailings den strengen neuen Regelungen entsprechen. Das Problem: wie gewährleisten das Versender, die ihre Services per ASP öffentlich anbieten? Diese Frage ist noch ungeklärt – die in den AGB vereinbarten Schadenersatz-Summen werden jedenfalls steigen: Ein eMail-Versender, der von der Whitelist fliegt, hat ein ernsthaftes Problem.
Die CSA soll – nach einigen Verzögerungen – im Januar starten. Bislang sind nur wenige Provider und eMail-Marketer dabei, wenn sich die Idee allerdings durchsetzt, dürfte diese Anzahl rasch steigen. Reichlich merkwürdig dabei ist nur, daß ausgerechnet, die Versender, die am stärksten darauf gedrungen haben, beim Start nicht sofort dabei sind. Ein schlechtes Omen?
Uwe-Michael Sinn, Rabbit eMarketing




Meine Mom will von euch genommen werden
Kommentiert von: David | 10. Mai 06 um 12:33
ich meinte - wie hoffentlich aus dem text des kommentars hervorging - nicht die "rechtliche betrachtung" der frage "was ist spam" sondern die für mich als empfänger viel relevantere "halte ich das für spam", von mir aus auch "... lästig".
das war eine vielleicht polemische aber für empfänger sicherlich nicht ganz uninteressante infragestellung "wem nutzt die hier vorgestellte kooperation etwas? mir oder den versendern?"
ich kann den kreativen e-mail-marketern nur raten, sich zügig von der e-mail als trägermedium abzusetzen, wenn ihnen ihre seriosität wichtig ist. feeds (rss und andere) sind aus empängersicht deutlich angenehmer als e-mails (wenn auch noch nicht so akzeptiert) und werden niemals in einem spam-kontext gesehen werden. ich treffe ja wirklich proaktiv die entscheidung, genau diesen feed zu abonnieren - und kann ihn genauso problemlos wieder de-abonnieren. (vielleicht erklärt letzteres die bislang geringe begeisterung der direkt-marketing-branche für diese e-mail-alternative)
Kommentiert von: Markus Breuer | 15. Dezember 04 um 17:20
Naja, das ist jetzt natürlich eine sehr weite Definition von Spam - nach dem Motto "jeder der mich stört ist ein Spammer".
Rechtlich ist das eigentlich einfach: wenn ich mich anmelde habe ich meine Einwilligung gegeben, und der, der mir dann was passendes zu meiner Anmeldung schickt (also nicht Autos bewirbt obwohl ich mich auf seine IT-Professionals-Liste eingetragen habe) ist kein Spammer. Wenn die Mail trotzdem geblockt wird ist sie "false positive"
Double-opt in ist dafür übrigens nicht erforderlich, ich würde es trotzdem schon aus Gründen der Beweisbarkeit dringend empfehlen.
Kommentiert von: Uwe-Michael Sinn | 14. Dezember 04 um 13:35
die einzige frage, die sich mir in diesem zusammenhang stellt, ist: aus welchem blickwinkel heraus sind das "false" positives, die da in den diversen spam-filtern abgefangen werden? dem des empfängers oder dem des absenders?
tatsächlich sind viele spam-filter ja lernende systeme, die anhand gewisser (konfigurieter, antrainierter oder gelernter) merkmale spam erkennen. und mails, die diese merkmale erfüllen, mag der adressat eben auch als "spam" empfinden - selbst, wenn er vielleicht irgendwann einmal irgendwo formalrechtlich seine einwilligung dazu gegeben hat "von zeit zu zeit informieren wir ..."
für mich ist jedenfalls jeder e-mail-verteiler, auf dessen liste ich nicht mit double-opt-in für exakt diese mail (!) geraten bin, ein spammer. solche mails, wenn sie denn mein spam-filter durchläßt, lösche ich dann eben von hand ...
Kommentiert von: Markus Breuer | 14. Dezember 04 um 11:42