Kein Projekt ist ohne Fehl, aber mancher IT Manager ohne Tadel. Angesichts der vielen Geschichten schier unglaublicher Fehlplanungen könnte man da stutzig werden. Man kann sich aber auch Fragen, wie ein Projekt wohl angelegt sein müsste, damit es garantiert keinen Erfolg hat. Das finden Sie absurd?
Hier sind sie, die sieben Schritte in den Schlund der wundersamen Budgetverpuffungsmaschine aus Absurdistan, dem Land der unmöglichen Begrenztheiten:
1. Erwartungen an das Projekt
Ein wirklich erfolgloses Projekt beginnt mit einer katastrophalen Ausgangslage!
Das Wichtigste ist eigentlich Uneinigkeit unter den Protagonisten sowie die relative Machtlosigkeit. D.h. am besten haben alle Beteiligten gleich viel oder wenig Macht auf Kunden und Dienstleisterseite (keinesfalls Entscheidungsgewalt!) und unterschiedliche Erwartungen. Umso mehr Parteien mit unterschiedlichen Interessen beteiligt sind, umso besser. Umso weniger sie übereinander wissen, umso besser.
2. Auswahl des Dienstleisters
Diese ist ganz einfach: man nehme einfach den, der am teuersten ist und mit dem man schon fürchterliche Niederlagen erlebt hat. Wenn der, den man kennt nicht teuer genug ist, sollte man ihm das bei der Präsentation sagen.
3. Vertragswerk
Man soll den Dienstleister einfach machen lassen, bei mehreren Dienstleistern keinesfalls Zuständigkeiten vorher klären und alle dafür mit Vertragsstrafen bedrohen. Das Vertragswerk sollte, wenn irgend möglich von fachfremden Juristen verfasst werden, die dafür umso ambitionierter zu Werke gehen. A.) Seerecht (Stichwort Festlandsockel) und B.) die Haager Landkriegsordnung halten sehr nützliche Beispiele für A.) die Regelung der Abnahme des Werks und B.) die Klärung von Änderungen am Leistungsumfang bereit.
4. Durchführung
Der Dienstleister kann zur Ergebnislosigkeit auf vielfältige Weise ganz erheblich "beitragen". Eine ausgezeichnete Methode ist die, im Projekt Technik einzusetzen, die man zu Projektbeginn noch nicht kennt (siehe Toll Collect). Diese herrlich erfolglose Anstrengung sollte man erst nach dem Abgabedatum aufgeben, um dann mit der veralteten Technik die man vorher einsetzte eine Lösung anzustreben, die man zu Projektbeginn noch im Kundeninteresse abgelehnt hat. Neben solchen komplexen Manövern auf der Strategieebene, helfen auch kleine taktische Winkelzüge, wie grundlegende Architekturfehler, aber auch Qualitätsprobleme, wenn sie nur massenhaft auftreten.
5. Projektmanagement
Jedenfalls sind alle Anstrengungen nur dann wirklich effektiv, wenn sie nicht kontrolliert werden und es keine Statusmeldungen bezüglich der relativen Zielerreichung gibt (siehe 1.). Man weiß ja nie, ob irgendein Spielverderber dann nicht die Notbremse zieht! Gott sei Dank gibt es dafür Projektmanager, die die Kunst des Wegsehens beherrschen und Beschönigung für die erste Berichtspflicht halten. Mit ein wenig Geduld und Spucke findet man auch einen, der die Sprache der Projektbeteiligten gerade so gut versteht, dass er sie in unverständlichen Protokollen zu erheiterndem Material verarbeiten kann.
6. Adaption
Es hilft nichts, irgendwann muss irgendetwas abgeliefert werden. Dies sollte möglichst bei Nacht und Nebel und Sturmwarnung in ungenügender Verpackung an der Hintertür geschehen. Sollte es ums Verrecken nicht regnen oder es sich um reine Sofware handeln, kann man aber noch alles wett machen, indem man während der Installation Streit mit allen beteilgten und unbeteiligten Personen vor Ort anfängt, indem man sie beschuldigt nicht zu kooperieren und Kaffee-technisches Entwicklungsland zu sein. Die Auftraggeberseite kann (zu spät, versteht sich) ein Regelwerk zur Inbetriebnahme vorlegen in dem, zum Beispiel, gefordert wird, dass die Installation von einem siamesischen Zwillingspaar der Inuit mit Stammeskleidung (vom AN beizubringen) bei Dunkelheit in unter 18 Sekunden fehlerfrei durchzuführen sein muss. Sollte diese Hürde nicht hoch genug sein, kann man bei der Schulung noch die Benutzer in Angst und Schrecken versetzen.
7. Abrechnung
Was kann jetzt noch kommen? Richtig: das dicke Ende. Es sollte alles auf einmal und möglichst so spät und so teuer sein, dass man im Notfall noch mit der Rechnung den Auftraggeber in den Ruin treiben kann, damit das Projektergebnis ganz sicher mit Mann und Maus untergeht.
Nun, ist Ihnen doch etwas bekannt vorgekommen? Keine Sorge, etwas Absurdität gehört zum Leben und wer dafür nicht gerade stehen mag, der kann sich auch nicht verbiegen wenn es der Sache nützt. Also "Augen auf und durch!"
Daniel Hinderink, dpool



