Die Suchfunktion im Firmenintranet wird häufig diskutiert. Für viele Anwender sind die Suchergebnisse oft nicht genau genug, die Suche daher zu umständlich und sie liefert unzuverlässliche Ergebnisse. Fragend wird daher gefordert: "Kann man das denn nicht umbauen, damit die Intranet-Suche so gut und einfach funktioniert wie die Google-Suche?"
Es gibt einen sehr wichtigen Grund dafür, dass das im Kern nicht möglich ist. Die Google Suche lebt von der Schwarm-Intelligenz, der "Weisheit der Vielen", ausgedrückt in der Überschneidung der Arbeiten von Vielen und das Verlinken auf die Besten. Weil sich im Internet viele Menschen zu gleichen und ähnlichen Themengebieten Gedanken machen und Lösungen suchen, kann Google diejenigen herausfiltern, die von besonders vielen Menschen verlinkt und damit indirekt als sehr gut befunden werden. Wer hat eine Antwort auf eine bestimmte Suchanfrage? - werden Milliarden von Webseiten gefragt. Die Seiten mit den meisten Verweisen von anderen auf sich werden nach oben gereiht. (Soviel zum Prinzip, das im Detail hoch komplex ist und von Google nicht komplett veröffentlicht wird).
Im Unternehmen ist diese Vorgehensweise in der Regel erfolglos. Denn im Unternehmen wird meist versucht, doppelte Arbeiten zu vermeiden. Zu jeder Suchanfrage gibt es oft genau eine richtige Antwort, für die eine definierte Stelle im Unternehmen zuständig ist. In Unternehmen, in denen Mitarbeiter sehr aktiv mit Dogears, Bookmarks, Wikis, Blogs o.ä. arbeiten, könnte man evtl. hochrelevante Suchergebnisse bekommen, für Inhalte in diesen Elementen des Social Computing, Voraussetzung dafür ist aber, dass die Mitarbeiter die Informationen im Unternehmen für sich noch einmal aufbereiten und allgemein zugänglich ablegen. Das ist (noch) nicht weit verbreitet.
Trotzdem kann man viel vom Erfolg der Google Suche für das eigene Intranet lernen. Die wichtigsten drei Lektionen sind:
1. Die Eingabemaske muß einfach sein.
Früher hatte man eine "einfache Suche", eine "erweiterte Suche" und eine "Experten-Suche". Die "einfache Suche" war oft eine Volltextsuche, in der "erweiterten Suche" konnte man zwischen Volltext und Schlagworten wählen, in der Expertensuche dann die Verknüpfungsoperatoren wählen und zusätzlich noch vorhandene Dokumenttypen mit einzelnen Feldern auswählen.
Ich kann mich noch gut daran erinnern: Wir haben viel Zeit und Energie in solche Suchen investiert und die Ergebnisse waren nicht schlecht. Die meisten Anwender kamen über die "einfache" Suche aber nie hinaus. Google machte uns Mut, die komplexen Suchmasken zu vereinfachen und dennoch zu versuchen, die Qualität zu erhalten.
2. Die Ergebnisse müssen "intelligent" sein.
Wenn man nur mehr eine Suchzeile hat und einen "Start" Knopf, dann gilt es besonders viel Intelligenz zu integrieren, damit die Ergebnisse zufriedenstellend sind. Hier ein paar Beispiele:
- Wenn nach einem Wort gesucht wird, kann man gleichzeitig nach Synonymen des Wortes suchen bzw. Singular/Plurarl-Varianten.
- Wenn ein Wort einem Schlagwort entspricht, dann sollte keine Volltextsuche durchgeführt werden, sondern ausschließlich eine Suche in den Schlagworten.
- Wenn ein Wort einem Dokumenttyp entspricht, z.B. "Rundschreiben", dann sollten automatisch nur die "Rundschreiben" nach den restlichen Suchkriterien durchsucht werden.
- Bei der Ergebnisanzeige sollte es einen Knopf geben "weitere Ergebnisse", der dann eine "unintelligente" Volltextsuche durchführt.
Voraussetzung dafür ist, dass alle Dokumente und Inhalte für die Suche strukturiert erfasst werden. Neben Titel, Schlagworten, Kategorien, dem Dokumentinhalt bieten sich Dokumenttypen sowie spezifischen Feldinhalte für die Strukturierung an.
3. Die Suchergebnisse müssen schnell verfügbar sein.
Die besten Suchergebnisse leiden, wenn der Anwender mehr als 2 Sekunden auf die Anzeige warten muss.
Nikolaus Krasser, Pentos AG



