25 Jahre Usability – so jubelte Jacob Nielsen vor wenigen Tagen in seiner Alertbox. 5000% Wachstum in diesem Markt seit 1983 und 50.000 Usability-Experten, die weltweit den Usern den Alltag erleichtern wollen: Wie’s scheint, haben verkorkste Interfaces, mysteriöse Handy-Tasten und bedienerunfreundliche Menüs heute keine Chance mehr. Sogar für Musikanlagen wurde unlängst in einem Radio-Spot mit „einfachster Bedienung“ geworben. Denn als kritischer Faktor für den Verkauf von technischen Produkten wird Bedienerfreundlichkeit immer stärker erkannt: Was nervt, wird nicht gekauft.
Umso mehr verblüffen mich so manche Macken von scheinbar einfachen Interfaces und Geräten. Mein Liebling in Sachen Benutzerunfreundlichkeit ist derzeit meine neue Stopp-Uhr. Starten, laufen lassen, stoppen – die Welt könnte so einfach sein. Stattdessen setzt der widerborstige Elektronikzwerg aus blauem Plastik nach exakt einer Stunde die Anzeige automatisch auf Null und beginnt mit der Zeitmessung von vorne. Dabei piepst er fröhlich. Wer das Display bei gutem Lichteinfall einige Minuten lang genau beäugt, wird feststellen, dass die Gesamtzeit als mikroskopisch kleine Zahlenkombination mitgeführt wird.
Passend dazu liest man im Spiegel-Magazin vom 14.4.08, dass die Elektronische Gesundheitskarte sich in den Testregionen nicht bewährt hat. Aus ganz banalem Grund. Der PIN-Code, der laut Bundesministerium für Gesundheit die Karte zum „persönlichen Datentresor“ machen soll, entpuppt sich gerade für ältere Benutzer als unüberwindbare Hürde. Wer in vorgerücktem Alter schlecht sieht, sich keine PIN Codes merken kann oder öfter auf die falsche Taste drückt, kann die Karte nicht nutzen.
25 Jahre Usability – wahrscheinlich stecken weitere 5000% Wachstum und tausende Arbeitsplätze in diesem unerschöpflichen Markt.





