Schneller als die Polizei erlaubt
Dabei handelt es sich um keinen diamantbesetzten Satelliten,
mit dem sich Star Wars spielen lässt, sondern um einen neuen Browser. Schon bei
den ersten Gehversuchen nach der Installation fällt auf: Chrome ist schneller
als jeder andere Browser in der Galaxis und präsentiert sich dank
minimalistischem Design wesentlich aufgeräumter als die Konkurrenz. Das zeigt
sich besonders dann, wenn man komplette Anwendungen über einen Browser nutzt
wie etwa einen Webmailer oder sich ein Youtube-Video anschaut. Brauchen schon
Internet Explorer (IE) und Firefox eine halbe Ewigkeit, bis sie gestartet sind,
so zehrt zusätzlich jeder Klick durch ständige Päuschen an den Nerven. Nicht so
bei Chrome.
Der Grund für den Aufwand sind Googles Webapplikation, bei deren Start die Presse schon den Untergang des Microsoft-Imperiums orakelte. Passiert ist bisher nur wenig mit den neuen Kronjuwelen der Suchmaschinen-Milliadäre. Denn die bestehenden Browser sind für das Anzeigen von Webseiten optimiert, indes nicht dazu, komplette Anwendungen ablaufen zu lassen. Darum hat Google, wie Kollege und Konnexus-Blogger Konstantin Weiss schreibt, den Browser praktisch neu erfinden müssen. Denn neben dem Faktor Geschwindigkeit ließ bisher auch die Stabilität der Browser beim Applikationsbetrieb zu wünschen übrig. Dafür hat sich Google etwas einfallen lassen. Wie andere Browser kann Chrome mehrere Webseiten oder Online-Applikationen parallel in eigenen Karteikarten, auch Tabs genannt, anzeigen. Doch anders als bei der Komkurrenz steuert Chrome jede von ihnen einzeln. Stürtzt eine Anwendung ab, muss nur ihr Tab geschlossen werden, mit den übrigen kann der Nutzer weiterarbeiten. Die Einzelsteuerung der Tabs bringt neben einem Plus an Stablität auch mehr Geschwindigkeit. Denn wenn im Firefox oder IE Javascript in einem Tab verarbeitet wird, bremst das vergleichbare Abläufe in den benachbarten Karteikarten. Chrome verteilt die Rechenressourcen klarer und verhindert Übergriffe zwischen den Tabs.
Software as a Service – Die Wirtschaft macht’s vor
Damit bietet Google erstmals eine schnelle und zuverlässige Plattform, um viele Anwendungen über einen Browser zu nutzen. Im Geschäftsumfeld wird das Software as a Service (SaaS) genannt und erfreut sich seit zwei, drei Jahren immer größerer Beliebtheit. Besonders im Mittelstand. Bei SaaS lagern Firmen den aufwendigen Softwarebetrieb an einen Dienstleister aus, der Applikationen wie Office, Exchange, ERP- oder Kundenbindungssoftware per Datenleitung bereitstellt. Die Mitarbeiter nutzen die Programme über ihren Webbrowser. Gezahlt wird dabei zunehmend auf Mietbasis. Im besten Fall zahlt ein Unternehmen nur noch pro Nutzer, Applikation und Monat. Anders als Google ist Microsoft im Geschäftsumfeld sehr erfolgreich mit SaaS. Dank flexibler Lizenzpolitik können Unternehmen die Produkte aus Redmond nach Bedarf und auf Monatsbasis mieten.
Für Privatleute gab es solche Angebote bislang nicht, auch Microsoft setzt hier noch auf den klassischen Lizenzverkauf beziehungsweise die Auslieferung von Software mit Komplett-PCs. Hier könnten Googles derzeit noch recht primitive Webanwendungen dem MS Office-Paket langfristig Konkurrenz machen. Der Angriff auf den IE ist dabei kein Nebenschauplatz, da webbasierte Microsoftanwendungen den hauseigenen Browser bevorzugen. Im Interview mit dem Branchendienst iBusiness erwartet Gerald Reischl, Autor des Buchs "Die Google-Falle", dass Chrome dem IE einen Gutteil seiner Marktmacht von über sechzig Prozent streitig machen könnte. Auf zwanzig Prozent schätzt er das Potenzial des Neulings. Bereits jetzt, knapp siebzehn Stunden nach Aktivierung des Downloads, verbucht Chrome weltweit bereits 2,7 Prozent Marktanteil. Im Vergleich dazu rangiert Apples Browser Safari kaum höher mit 3,5 Prozent.
SaaS fürs Volk?
Also kostenpflichtiges SaaS für die Unternehmen und, dank
Google, kostenfreies für Otto-Normal-User? Wohl kaum. Zum einen umfasst Googles
Websoftware-Strategie auch den Enterprise-Bereich. So berichtet die Macworld,
dass das britische Traditionsblatt Daily Telegraph auf Googles Online Apps umsteigen
will. Zum anderen muss auch der Privatnutzer in der neuen Online-Softwarewelt
einen Preis bezahlen. Google beschert uns seine Lösungen nicht aus
Menschenliebe. Schon Damenexperte Casanova wusste: „Die Liebe besteht zu drei
Viertel aus Neugier." Denn der Suchmaschinen-Konzern finanziert seine Dienste
bekanntlich über Werbung. Dadurch interessiert sich Google für alle Inhalte,
von der Suchanfrage, über die Onlinemail bis hin zu Dokumenten, die Nutzer mit seinen
Webapplikationen erstellen.
AGBs im Schummerlicht
Googles unersättlicher Hunger auf die Daten seiner Nutzer ist keine Neuigkeit. Doch der Chrome-Launch zeigt, wie weit diese Neugierde mitunter geht. So weist Robert Basic darauf hin, das jede Kopie des Browsers mit einer eindeutigen Nummer gekennzeichnet ist. Zusammen mit einwahlgeschützten Diensten wie Gmail kann Google über mehrere Rechner hinweg ein inzwischen komplettes Profil des Nutzers erstellen. Der Phantasie sind hier zumindest technisch kaum Grenzen gesetzt.
Auch rechtlich steckt Google seine Claims ab. Ein Blick in die englischen AGBs von Chrome ist beste Gruselliteratur. Marshall Kirkpatrick warnt auf dem US-Blog ReadWriteWeb vor dem Freibrief, den sich Google vor der Installation vom Nutzer einholt. Die zititerte Passage liest sich, als ob sich Google sogar die inhaltlichen Rechte auf die Nutzerinhalte, die über seine Dienste laufen, sichert:
"a perpetual, irrevocable, worldwide, royalty-free, and non-exclusive license to reproduce, adapt, modify, translate, publish, publicly perform, publicly display and distribute any Content which you submit, post or display on or through, the Services."
Kirkpatrick weist zudem auf die Ähnlichkeit mit Formulierungen in den AGBs zu Google Apps hin. Die selbstverschriebene Freizügigkeit von Google hat also System. Zum Glück ist Chrome Open Source und ermöglicht so, Google zumindest über den Quellcode in die Karten zu schauen. Vielen Privatnutzern wird das egal sein. Sie werden sich über einen stabil und schnell arbeitenden Browser freuen, der mit wachsendem Angebot an Plugins auch bei Spezialfunktionen zum Open-Source-Primus Firefox wird aufschließen können.
Wie schade, dass keine andere Organisation und kein Unternehmen in der Lage war, einen vergleichbar guten Browser zu entwickeln. Die ersten Meldungen über die Version 8 des Internet Explorer lassen auch aus Redmond keine positiven Überraschungen auf diesem Feld erwarten. Insofern ist Chrome der perfekte Trojaner, um noch mehr Nutzerdaten zur Werbevermarktung zu durchleuchten. Wie schon so oft zuvor, werden technische Reife, intuitive Bedienung und kostenfreie Nutzung die Anwender überzeugen und so über die systematische Spionage ihrer privaten Daten hinwegtäuschen. So hat alles seinen Preis.
So schildert Google seine Beweggründe für die Entwicklung von Chrome:




Spionage findet im Geheimen statt.Es wird gelogen und geklaut.Nur wir(Googel) warens
nicht.Siehe unsere officelle AGB nofficel(Allgemeiner Geheim Bericht)
Kommentiert von: Stanelle Klaus | 16. Juli 09 um 13:11
Ihr übertreibt es allesamt, Chrome ist ein toller Browser und von den Spion Sachen lass ich mich nicht abschrecken, was soll schon passieren, ich bezweifle dass Google die daten ausnützt zu unserem schaden.
Kommentiert von: Florian Fürst | 02. Januar 09 um 02:26
ich find google geht nun zuweit.. irgentwann irgentwo muss doch mal damit schluss sein??
greetz
Kommentiert von: ooo | 23. September 08 um 19:48
Oh man-man-man!... Was die da machen!? Und die sagen noch, das die dort mit seinem Chrome nicht Spionieren?!
Einfach warnsinn!
Kommentiert von: Allonzo | 06. September 08 um 19:53
Hallo Tobias,
danke für den Tipp! Ich hoffe, wirklich, dass Google nicht nur seinen Code, sondern auch seine Absichten anpassen wird.
Kommentiert von: Thomas | 04. September 08 um 15:32
http://wiki.de.tobias-schulz.info/index.php?title=Artikel/Google_Chrome_enttarnt!
Kommentiert von: Tobias Schulz | 04. September 08 um 15:27
Google Chrome ist enttarnt! Wie man ihm das Spionieren austreibt, steht im Artikel.
Kommentiert von: Tobias Schulz | 04. September 08 um 15:25