Ich versprach, etwas mehr über den vierten oder Superben - Grad des Websitebesuchs zu sagen. Mein Kostenvoranschlag beinhaltet auch, daß für nicht weniger als fünf Websites aus Ihrem Online-Portfolio gewisse alte E-Mails im Web veröffentlicht werden, offenbar vor Zeiten geschrieben und lange vergessen. Jede E-Mail wird die gefälschte Unterschrift irgendeines bekannten Windbeutels tragen, der mit Typografie, Verseaufsagen, Volkstanz, freier Autorenschaft oder einer ähnlichen Betätigung befaßt ist, die so frei von festen Regeln ist, daß sie die Schwachköpfe in ganzen Schwärmen anzieht. Jeder Brief wird eine makellose Fälschung sein und A.B., dem Betreiber der Website, für sein "sehr freundliches Interesse an unserer Arbeit" danken, wird Bezug nehmen auf seine "unschätzbaren Ratschläge und Belehrungen", sein "beispielsloses Wissen" um die Spielregeln des Hupfdohlenwesens, die "kundige und geduldige Art, mit der er das Corps am Montagabend führte", wird ihm für seine großzügige - zu großzügige - Subskription in Höhe von zweihunderttausend Euro danken, "die ich mehr zu würdigen wußte, als ich sagen kann". Als aktueller Anreiz wird eine zusätzliche E-Mail veröffentlicht - kostenlos. Sie wird unterzeichnet sein (oder doch zumindest diesen Eindruck erwecken) von dem einen oder anderen jungen kreativen Ausländer der lärmenderen Sorte, welche unser schönes Internet mit ihrer Anwesenheit beehren. Das wird den halbherzigen Ehrgeiz der meisten respektablen Plebejer auf der Suche nach dem neuesten Link-Tipp befriedigen und sie dazu bringen, ihre Filiale an jener etwas verstopften Verkehrsader, die man die Straße ins Verderben nennt, nicht zu schließen.
MyDigitalSelf
Den Herren, die sich mit mir im digitalen Kulturbund zusammengeschlossen haben, ist klargeworden, daß jetzt nicht die Zeit dafür ist, von einfachen Menschen durch dieses Medium des kunstinfizierten Blogbeitrags Bargeld zu ernten. Unsere neueste Schiebung ist daher die Mitgliedschaft im MyDigitalSelf-Portal. Treten Sie ihm bei, und ersparen Sie sich die nervenzermürbende Plackerei, die damit verbunden ist, wenn man sich seine Websites selbst produzieren und nach oben bugsieren muss. Wir nehmen Ihnen die Arbeit ab, und wenn Sie die Website bekommen, ist sie bereits in aller Munde, d.h. bereits durch die Hände unserer erfahrenen Websitebesucher gegangen, und das ohne Aufpreis. Sie erparen sich die Mühe, sie zu launchen, zu besuchen und zu verlinken, damit Ihre Freunde glauben, Sie könnten lesen (und schreiben).
In unregelmäßigen Abständen gibt es für Mitglieder, die gern ein Gespräch wie das folgende führen, auch eine Website oder ein Video, das auf dem Index steht-:
"Sag an, Alter, hast du diesen Reißer auf bit torrent schon runtergezogen?"
"Da bin ich mir gar nicht mal so sicher."
"Es steht nämlich auf dem Index, mein Guter."
"Oha."
Und das alles ohne den üblichen Unsinn; Sie brauchen kein Formular auszufüllen, keinen Prospekt anzufordern oder ähnlich Ärgerliches zu tun. Sie schicken uns einfach Ihre 210 Euro pro Monat, und schon nehmen Sie teil an diesem großen kulturellen Volksaufstand zum Wohle ihrer digitalen Reputation.
Daniel Hinderink, dpool
(frei nach Flann O'Briens "Buchhandhabung", Trost und Rat. München: Diana, 2000)




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