Nicht nur in der aktuellen Wirtschaftsphase fällt auf, dass die meisten Autoren voneinander abschreiben. Es herrscht eine unglaubliche Flut von eintönigen, gleichlautenden, daher langweiligen Artikeln und Kommentaren, die immer wieder die gleiche oder sehr ähnliche Botschaften vermitteln. Das erstreckt sich nicht nur auf veröffentlichte Meinung der Experten und Laien im Internet und anderen Medien, sondern auch immer mehr auf die Wissenschaft.
Im speziellen Fall könnte man die verbreitete Meinung für die Gründe der Finanzkrise mit "Marktversagen", "mangelnde Kontrolle" und ähnlichen Schlagworten treffend charakterisieren. Es ist nun, mit den aktuellen Mitteln des Internets, gar nicht so einfach, eine gegenteilige Meinung zu finden, sogar der liberale "The Economist" teilt sie. Einen fundierten, gegenteiligen, sehr guten Artikel gibt es im aktuellen "Der Steuerzahler", von Matthias Warneke, unter dem Titel "Markt- oder Politikversagen". (Leider nicht frei im Web auffindbar und hier also nicht verlinkbar).
Neben diesem aktuellen Thema, das sehr einseitig und unvollständig diskutiert wird, gibt es viele andere Themen, auf die das leider auch zutrifft. Die Entscheidungen, die dabei in der Regel getroffen werden, sind mit zeitlichem Abstand gemessen oft fürchterlich falsch.
Ein Beispiel dafür aus der näheren Vergangenheit der IT: Das Jahr 2000-Problem oder die Y2K Panik. Milliarden wurden damals investiert, um Probleme zu beheben, die so gar nicht bestanden oder anders gelöst hätten werden können.
Eine anderes, bekanntes, aus dem Mittelalter, ist die Hexenverfolgung. Etwa 50.000 Menschen wurden im Rahmen der Hexenverfolgung getötet, Männer wie Frauen. Es ist deshalb so bemerkenswert, weil Klerus, Adel, Wissenschaft und das "einfache" Volk sich im Mittelalter absolut sicher waren, dass es Hexen gibt und dass sie vernichtet werden müssen.
Gleiche Meinungen sind attraktiv für uns, denn sie reduzieren Unsicherheit. Wir mögen keine Unsicherheit, besonders dann nicht, wenn wir uns aufgrund einer Krise unwohl fühlen und es uns nicht gut geht. Was wir also brauchen, um dennoch nicht ganz falsche Entscheidungen zu treffen, ist eine Hilfe. Und zwar eine Hilfe dergestalt, dass wir Meinungen, die von der vorherrschenden abweichen, ganz leicht auffinden können.
Was ich als Bedarf für Web 3.0 also anmelde ist: Zu jedem Artikel/Meinung/Veröffentlichung, die ins Web gestellt wird, soll man auf Wunsch gleichlautende, ähnliche und gegenteilige Meinungen angezeigt bekommen. Denn das hilft dem Autor, der den Artikel, wenn er nichts Neues zu sagen hat, nicht veröffentlichen soll und dem Leser, weil er mit einem Knopfdruck Zugriff auf gleiche oder andere Einschätzungen hätte.
So komplex das scheint, die Bestrebungen gehen in die Richtung.
Nikolaus Krasser, Pentos AG




Da könnte man auch noch gleich die aktuelle Klima-Histerie anfügen. Es erstaunt mich immer wieder, wie auch gestandene Akademiker in den Chor der Verwirrten einstimmen, ohne ihr eigenes Hirn zu benutzen. Will man sich dem monotonen Gelaber in den Medien entziehen, bietet einzig das Web ein paar Alternativen. Natürlich findet man auch hier einen Haufen Schrott, aber in diesem Sumpf finden sich auch immer wieder Perlen. Man muss sich bloss die Mühe machen, danach zu suchen.
Wer jedoch einfach nachplappern möchte, was andere schon vorgeplappert haben, wird kaum in die Versuchung geraten den besagten "Knopfdruck" zu tätigen, um sich vor Peinlichkeiten warnen zu lassen. Der Pöbel will nicht informiert sondern unterhalten werden. Mit dem Anspruch an inhaltliche Relevanz und Redundanzfreiheit (dem ich mich gerne anschliesse) liegen wir ganz und gar nicht auf dieser Linie.
Kommentiert von: LD | 14. November 08 um 16:18