Als berüchtigter Spielmuffel wurde ich vor ein paar Monaten genötigt bei Freunden eine Runde "Guitar Hero" zu spielen. Ich nahm also diese lächerlich kleine und viel zu leichte und überhaupt harmlos-weisse Plastikguitarre in die Hand und versuchte nach Vorlage zu rocken.
Zu Possum Kingdom von den Toadies durchlitt ich ein Bontempi-Heimorgel-Deja-Vu und versuchte die Kipphebel wie farblich angezeigt zu bewegen und dabei nicht daran zu denken, wie erbärmlich sich das anfühlte. Possum Kingdom hatte das nicht verdient.
Als ich gerade soweit Kontrolle über meine Finger erlangt hatte, dass ich den einen oder anderen Ton zu treffen schien, war das Stück auch schon zu Ende. Während mein Bassist ein neues Stück auswählte schweifte mein Blick aus dem Fenster wo ich auf dem Balkon gegenüber ein prachtvolles rauchendes Rock-Chick mit Nietengürtel erblickte, die süffisant mit ansah, wie wir mit unserem Plastikspielzeug hantierten.
Nicolas Carr (IT Doesn't Matter) schreibt nun in seinem Blog, wie absurd es ist, mit "Complete Control" von The Clash Werbung für Guitar Hero zu machen. Er hat nicht nur recht, ich teile auch seine Empörung aus Sympathie für The Clash im allgemeinen und dieses Stück im Besonderen. Guitar Hero in Zukunft also nur noch wenn es unbedingt sein muss und dann mit geschlossenen Jalousien.
Am Ende bleibt das Gefühl ein Spiel gespielt zu haben, dass mit Guitarre spielen so viel zu tun hat, wie ein Supermarkteinkauf mit Selbstfindung:
I'm all lost in the supermarketI can no longer shop happily
I came in here for the special offer
A guaranteed personality
The Clash: "Lost in a Supermarket":
"Es gibt kein richtiges Leben im falschen" ist auch Punk. Außerdem, auch wenn es unmöglich ist jedes Instrument spielen zu können, kann man sich zurückhalten, wenn es darum geht es lächerlich zu machen. Man kann, man muss aber nicht.
Daniel Hinderink, dpool




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